Ziertheim

Ziertheim – Im nördlichen Landkreis Dillingen

Die Gemeindereform zum 1. Mai 1978 hat die drei ehemaligen selbstständigen Gemeinden Ziertheim, Dattenhausen und Reistingen zu einer Einheitsgemeinde zusammengeführt. Die Gemeinde liegt in Nordschwaben, im Egautal am Rande der Schwäbischen Alb. Die Gemeindegrenze ist gleichzeitig auch die Staatsgrenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg.

Nach kurzen anfänglichen Schwierigkeiten im Zusammenfinden der Ortsteile hat sich doch relativ schnell eine gut funktionierende politische Einheit gebildet. Die schon Jahrhunderte währende Gemeinsamkeit der Pfarreien Ziertheim und Dattenhausen und später in den 1950er Jahren als die Pfarrgemeinde Reistingen ebenfalls vom Ziertheimer Pfarrherrn betreut wurde, hatte wohl einen positiven Beitrag dazu geleistet. Die Gemeinde ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Wittislingen.

Hervorzuheben ist die reizvolle, hügelige Lage des Ortes mit den angrenzenden Ausläufern der Schwäbischen Alb und der durch die Egau gebildeten Tallandschaft. Ziertheim ist über die B 16 und die Staatsstraße 2032 gut zu erreichen. Die nächsten Autobahnanschlüsse befinden sich bei Giengen in Württemberg (A 7) ca. 16 km und Günzburg (A 8) ca. 28 km.

Kurzer Blick ins Geschichtsbuch

In früherer Zeit waren in der Gegend vom heutigen Ziertheim mehrere Seen, wovon die kesselförmigen Bodenformen und die Namen der dort gelegenen Flurteile heute noch hindeuten. Es scheint damals hier eine Seenplatte mit fünf Seen gewesen zu sein. Über die mutmaßliche Ausdehnung der Seen geben die Bodenformen der betreffenden Flurteile Aufschluss. Da das Vorhandensein der Seen noch in den Flurnamen bezeugt ist – Im See, Kellerseele, Fischerseele, Seelesfeldle, Egelsee – darf man annehmen, dass zur Zeit der Besiedlung (die letzten Jahrhunderte vor Christi Geburt) die Seen oder wenigstens Reste von ihnen noch vorhanden waren.

Der größte See lag westlich von Ziertheim, fast angrenzend an den Ortsteil Dattenhausen. Nach der Größe des jetzigen Talbeckens zu schließen, reichte er zur Zeit seiner größten Ausdehnung von dem Hügelrücken, auf dem heute Dattenhausen liegt, bis zu den Hügeln westlich von Burghagel. Seine Wasser überspülten die Anhöhen im Süden vom heutigen Oberbechingen und im Norden die vom heutigen Zöschingen. Der größte Teil des Dattenhausener Sees ist zur Egau abgeflossen. Östlich der „Steinernen Brücke“ sieht man heute noch das Durchbruchtal, durch das jetzt der „Seegraben“ fließt.

Es werden große Bemühungen unternommen, das Dattenhausener Ried wieder zu renaturieren. Es ist mit rund 250 ha das größte Moor- und Feuchtgebiet im Naturraum Schwäbische Alb. Es handelt sich um ein von Niederschlägen und Grundwasser gespeistes Niedermoor, das vor 4000 bis 6000 Jahren in einer natürlichen Senke entstanden ist. Durch die Renaturierung des Dattenhauser Riedes soll das Moor in seinem Bestand dauerhaft gesichert und dadurch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Außerdem ist es ein wichtiger Lebensraum für viele Tier-, Pflanzenund Vogelarten. Die Umsetzung der Wiedervernässungsmaßnahme hat bereits vor längerer Zeit begonnen und zeigt schon erfreuliche Ergebnisse. Ein Blick vom Aussichtsturm am südlichen Rand des Riedes erlaubt einen Panoramablick über das ganze Naturschutzgebiet. Ein einmaliges Naturerlebnis.

Südöstlich von Ziertheim, am „Brühl“ dicht an der Westseite der Staatsstraße Wittislingen – Ziertheim, wo sich heute die Ziertheimer Siedlung „Wittislinger Straße“ befindet, wurden im Jahre 1910 alemannische Reihengräber entdeckt. Die Funde befinden sich im historischen Museum in Dillingen. Daraus lässt sich schließen, dass Ziertheim wie auch Dattenhausen auf alemannische Gründungen zurückgehen.

Älteste Bodenfunde aus dem Bereich der Gemarkung Dattenhausen entstammen der Mittelsteinzeit, der Keltenzeit und Römerzeit. Der Ortsteil Reistingen weist älteste Bodenfunde aus der Mittel- und Jungsteinzeit, aber auch aus der Keltenzeit auf. Die Kelten verhütteten hier das unweit des Ortes gefundene Erz und errichteten wahrscheinlich auf dem „Alten Bürg“, einem auf der Grenze südöstlich von Reistingen gelegenen Kegelberg, eine Befestigungsanlage.

Auch in der Römerzeit war die Gegend besiedelt. Durch die Gemarkungen führte in Süd-Nordrichtung die vom Faiminger Kastell kommende Römerstraße fast schnurgerade nach Bopfingen. In einem Flurteil bei Reistingen trat bei Bauarbeiten zu Kanalausschachtungen der Kalksteinkörper dieser ehemaligen Römerstraße deutlich hervor. Das zu Tage gekommene Steinmaterial war an der Fundstelle eindeutig ortsfremd und dürfte aus dem Raum Neresheim stammen.

Sehenswürdigkeiten

Zweifelsfrei sind die Katholischen Pfarrkirchen in allen Ortsteilen sehenswert. Die Pfarrkirche in Ziertheim ist der heiligen Veronika geweiht, sie wurde 1696 errichtet, 1789 erfolgte eine Erweiterung nach Westen. Eine große Zäsur brachte das Jahr 1803. Im Zuge der Säkularisation ging das Patronat mit allen Rechten und Pflichten an das Fürstliche Haus Thurn und Taxis über, das es bis zum Jahre 2007 innehatte. Die letzte Innenrestaurierung erfolgte 1959/60 unter Berücksichtigung des heutigen Kunstverständnisses. In den Jahren 2006/07 erfuhren Kirche und Turm eine grundlegende Außenrenovierung durch das fürstliche Haus Thurn und Taxis.

Die Pfarrkirche in Dattenhausen ist dem heiligen Martin geweiht. Sie wurde in der heutigen Form Anfang des 18. Jahrhunderts errichtet. Das Langhaus ist flach gedeckt, der quadratische Chor besitzt ein Kreuzgratgewölbe und befindet sich im Erdgeschoss des Turmes aus dem 13. Jahrhundert. Er wurde 1917 von Matthias Rothmiller mit einem Achteckaufsatz und einem Zwiebelhelm versehen.

Die Pfarrkirche St. Vitus in Reistingen geht auf das 12. Jahrhundert zurück und war ursprünglich als Klosterkirche des Klosters Reistingen gebaut worden. In der heutigen Kirche ist noch ein Teil des romanischen Vorgängerbaues sichtbar. Die Kirche ist zu einem Großteil aus Bruchsteinen errichtet. Die Bauteile aus romanischer Zeit und die Arkaden an der Nordwand, die ehemals als Mittelschiffpfeiler dienten, heben sich durch ihr Quadermauerwerk deutlich ab.

Neben den drei Pfarrkirchen sind besonders die Pfarrhöfe in den Ortsteilen Reistingen und Ziertheim hervorzuheben. Der Reistinger Pfarrhof unweit der Kirche gelegen gehört bestimmt mit zu den schönsten Pfarrhöfen im Landkreis Dillingen. In den Jahren 1999/2000 erhielt das Gebäude eine grundlegende Renovierung. Bei der Außengestaltung wurde darauf geachtet, dass das zweigeschossige Bauwerk mit den aufwendigen Details aus der Bauzeit 1882/1883 wieder sichtbar wurde. Neben einem Versammlungsraum befindet sich im inneren des Hauses das liebevoll gestaltete Museumsstüble mit Relikten aus früheren Zeiten.

Der ganze Ortsteil Reistingen hat durch die erst vor einigen Jahren abgeschlossene Dorferneuerungsmaßnahme eine erhebliche Aufwertung erfahren. Alle Ortsstraßen wurden saniert, Ver- und Entsorgungsleitungen erneuert, Grünanlagen geschaffen und durch den Bau des Dorfhauses hat diese bauliche Veränderung im Ort eine Krönung erfahren.

Aber auch der Ziertheimer Pfarrhof, der derzeit noch vom Ortsgeistlichen bewohnt ist, wurde im Jahre 1719 auf Initiative der Neresheimer Äbte erbaut. Über dem Eingang des stattlichen Hauses ist das Wappen des Abtes Amandus Fischer (1711-1729) zu sehen. Hohe teilweise mit Stuck versehene Innenräume geben Zeugnis von damaliger Baukunst.

Einen attraktiven Ortsmittelpunkt kann der Ortsteil Dattenhausen mit seinem Zehntstadel aufweisen. Ein moderner Zweckbau in historischen Mauern in dem neben kulturellen Veranstaltungen die örtlichen Vereine ein Zuhause gefunden haben.

Am idyllischen Rad- und Wanderweg zwischen den Ortsteilen Ziertheim und Dattenhausen liegt ein eigenartiges Wasserbrückenbauwerk, hier kreuzen sich Egau und Riedegau. Nachdem die Anlage brüchig und baufällig war, erfolgte im Jahr 2017 eine völlige Erneuerung des Bauwerkes, das sich harmonisch in die Flusstalniederung einfügt. Bedingt durch den nicht tragfähigen Untergrund aus Torf und organischem Boden war es beim Bau nötig die tragenden Elemente auf den sechs Meter tiefer liegenden Kalkstein zu gründen. Wasserbrückenbauwerke sind äußerst selten deshalb lohnt eine Besichtigung der Anlage.

Ziertheim – Wichtige Adressen und Telefonnummern

Gemeinde Ziertheim
VG Wittislingen
Marienplatz 6, D-89426 Wittislingen
Tel. +49 (0)9076 95 090
zentrale@vg-wittislingen.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.