Lautrach und Albert Einstein

Wenn Weltgeschichte kurz durchs Dorf spaziert

Im Sommer 1923 zeigte sich Lautrach einmal von einer Seite, auf die man im Illerwinkel bis heute mit stillem Stolz blicken darf. Schloss Lautrach, eingebettet in die vertraute Landschaft aus Feldern, Wegen und naher Iller, wurde damals zu einem Ort der Begegnung für bedeutende Gelehrte. Das ist keine ausgeschmückte Erzählung, sondern archivalisch belegt: Im Nachlass von Hermann Anschütz-Kaempfe verzeichnet das Deutsche Museum ein Gästebuch des Schlosses Lautrach mit Einträgen von Albert Einstein, Arnold Sommerfeld, Karl von Frisch, Wilhelm Wien und weiteren bekannten Namen. Auch ein „Beschwerdebuch“ des Schlosses ist nachgewiesen; für den 16. August 1923 wird darin ausdrücklich ein Eintrag Einsteins genannt. Gerade darin liegt der besondere Zauber dieser Geschichte. Einer der größten Denker seiner Zeit war nicht nur irgendwann mit Lautrach verbunden, sondern wirklich hier. Er sah diesen Ort, verweilte an diesem Schloss und hinterließ einen Satz, der bis heute nachklingt: „Paradiesisch! O Verdruss, dass ich schon von hinnen muss.“ Für Lautrach ist das mehr als eine Anekdote. Es ist ein kleiner, kostbarer Augenblick Ortsgeschichte, in dem sich zeigt, dass selbst ein stiller Flecken Heimat für kurze Zeit zum Mittelpunkt einer großen Welt werden kann. Und so bewahrt Lautrach diese Begebenheit bis heute mit Stolz im Herzen.

Quellen
Schloss Lautrach, „Unsere Geschichte“ – mit dem überlieferten Einstein-Zitat.
Deutsches Museum, Findbuch NL 219 Anschütz-Kaempfe – Nachweis des Gästebuchs und des „Beschwerdebuchs“ mit Einstein-Eintrag am 16. August 1923.