Allgäuer Sage aus Pfronten
Hoch über dem Allgäu, wo der Wind an den zerfallenen Mauern der Burgruine Falkenstein heult, erzählt man sich eine der düstersten Sagen der Region.
Einst lebte dort eine adlige Frau, deren Gesicht stets von Angst gezeichnet war. Heimlich brachte sie ein Kind zur Welt – ein Leben, das nicht hätte sein dürfen. Die Furcht vor Schande fraß sich in ihr Herz, bis sie in einer stürmischen Nacht eine grausame Entscheidung traf. Man sagt, sie habe das Kind in ihren Armen gehalten, sein Weinen kaum ertragend – und es schließlich in die Tiefe gestoßen. Seit jener Nacht ist nichts mehr wie zuvor.
Wer sich bei Dunkelheit der Ruine nähert, berichtet von unheimlichen Erscheinungen: Im Nebel zeichnet sich das bleiche Gesicht einer Frau ab, verzerrt von Reue und Wahnsinn. Ihre Augen sollen leer sein – und doch voller Qual. Aus der Tiefe erklingt das leise, klagende Weinen eines Kindes, das nie zur Ruhe fand. Manche schwören, die Gestalt wandere rastlos umher, suchend, flehend – gefangen zwischen Schuld und Ewigkeit. Und wenn der Wind durch die Mauern fährt, klingt es, als flüstere die Burg selbst: Vergessen wird hier nichts.
Ort: Burgruine Falkenstein, Pfronten (Allgäu, Bayern)
Quellenhinweis: Überlieferte regionale Sagen und mündliche Erzählungen aus dem Allgäu


