Entenalarm bei Obergünzburg

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An der Östlichen Günz bei Obergünzburg plätscherte einst nicht nur Wasser, sondern auch ein Stück Allgäuer Obrigkeitstheater. Im 18. Jahrhundert galt der Fluss als Fischwasser: Forellen, Äschen, Hechte und Aale machten ihn wertvoll genug, dass die Herrschaft des Fürststifts Kempten hinsah. Den Günzburgern blieb dennoch ein altes Recht: Nach der Heuernte durften sie an drei Freitagen mit bloßen Händen fischen – aber nur zwischen zwei Glockenzeichen, von zwölf bis drei. Danach wanderte der Fang nicht etwa in die Pfanne, sondern zuerst in den Marktbrunnen beim Pflegerschloss. Dort bediente sich die Obrigkeit: Fürstabt, Pfleger, Pfarrer, Ammann. Was dann noch zappelte, war fürs Volk.
Natürlich hielt sich nicht jeder an diese fromme Reihenfolge. 1748 landeten vier Bürger, darunter Schulmeister Michael Biechteler, wegen unerlaubten Fischens für einen halben Tag in der Keiche, dem Gefängnis. Noch skurriler wurde es 1755: Weil Enten den Fischen schaden sollten, erhielt der herrschaftliche Fischer den Auftrag, jede Ente im Fischwasser totzuschießen und liegen zu lassen. So erzählt die Günz von einem Allgäu, in dem selbst Forellen Standesunterschiede kannten – und Enten besser einen Bogen um die Obrigkeit machten.

Quellen: Hermann Knauer, Obergünzburger Marktblatt 03/2026; Wasserwirtschaftsamt Donauwörth: Gewässerporträt Günz.