Augsburg – Eine Stadt voller Geschichte(n)

Mit den Römern fing alles an
Augsburg gehört zu den ältesten Städten Deutschlands und blickt auf eine lange und ereignisreiche Geschichte zurück. 15 v. Chr. wurde Augsburg von den Römern als „Augusta Vindelicum“ gegründet und entwickelte sich schnell zu einem bedeutenden Handelszentrum und Knotenpunkt an wichtigen Routen, sowohl auf den Straßen als auch auf dem Wasser. Die Straßen sollten auch später noch als wichtige Handelswege genutzt werden und hatten große Bedeutung für die Weiterentwicklung zu einer der reichsten Handelsmetropolen im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Noch heute finden sich Überreste alter Römer-Straßen, z.B. der Via Claudia von Süd nach Nord.

Die Schlacht auf dem Lechfeld
Anno 955 wurde auf dem Lechfeld, vor den Toren Augsburgs, europäische Geschichte geschrieben. Bischof Ulrich (890 – 973) sorgte klug für den Ausbau der Augsburger Verteidigungsanlagen. Er führte seine Mannen im Kampf gegen die plündernden Ungarn dem erstmals vereinten Heer König Otto I. (936 – 972) zu.
Der Aufstieg zur Reichsstadt: Wo Handel und Kultur blühen
Die Bürger lösten sich 1156 vom Bischof und bekamen das Stadtrecht verliehen. Das Augsburger Stadtrecht war eines der bedeutendsten Stadtrechte im Heiligen Römischen Reich und diente als Vorbild für zahlreiche andere Städte, galt es doch bereits zur damaligen Zeit als verhältnismäßig fair und ausgewogen.

Im 13. Jahrhundert folgte der Status einer reichsfreien Stadt. Als Reichsstadt genoss Augsburg weitgehende Autonomie und unterstand direkt dem Kaiser. Die Stadt konnte eigene Gesetze erlassen, Steuern erheben, eigene Gerichte unterhalten und Bündnisse mit anderen Städten schließen. Dieser Umstand trug maßgeblich zum Aufstieg Augsburgs zu einem der bedeutendsten Handelszentren und Kulturmetropolen des Heiligen Römischen Reiches bei.
Ein wichtiger Punkt waren hierbei auch die römischen Straßen, die weiterhin als wichtige Handelswege genutzt wurden. Die vielen Reichstage, die in Augsburg stattfanden, sorgten nicht nur für finanziellen Aufschwung in der Stadt, sondern auch für wichtige Beiträge zur Augsburger Kunstgeschichte. So brachten sie oft auch Großaufträge ein für Maler wie Holbein, Dürer und Tizian, Bildhauer wie Hubert Gerhart und Adriaen de Vries oder Musiker wie H.L.Haßler und O. di Lasso.

Die Fugger: Vom Weber zum Weltunternehmer
Wer sich mit der Geschichte Augsburgs befasst, kommt an den Familien Fugger und Welsern nicht vorbei. Im 15. und 16. Jahrhundert wurde Augsburg vor allem durch die Kaufmannsfamilie Fugger geprägt. Sie galten als eine der bedeutendsten und reichsten Familien Europas und erhoben Augsburg zur Weltstadt.
Hans Fugger zog im Jahr 1367 nach Augsburg und begründete damit die Familiendynastie. Der geschäftstüchtige Weber entwickelte sich zum Textilhändler weiter und legte den Grundstein für den finanziellen Erfolg der Familie. Durch Handel mit Textilien, Metallen und Gewürzen bauten die Fugger mit Unternehmergeist und Geschäftssinn ein riesiges Vermögen auf. Dadurch war es ihnen möglich, Kredite an Fürsten und Könige in Europa zu vergeben und großen Einfluss auf die europäische Politik auszuüben. Sie stiegen selbst in den Adel auf und nahmen hohe weltliche und kirchliche Ämter ein. Die Fugger prägten Augsburg über Jahrhunderte hinweg nachhaltig. Sie errichteten zahlreiche prächtige Bauten, darunter die Fuggerei, die als älteste Sozialsiedlung der Welt gilt und heute noch erhalten ist. Die Förderung von Kunst und Wissenschaft lag ihnen sehr am Herzen.

Bedeutende Familienmitglieder:

  • Jakob Fugger „der Reiche“ (1459- 1525): Der bekannteste Vertreter der Familie; gilt als einer der bedeutendsten Kaufleute aller Zeiten.
  • Anton Fugger (1495-1565): Erweiterte das Familienunternehmen um den Bergwerkssektor und den Handel mit Edelmetallen.
  • Hans Fugger „von der Lilie“ (1531- 1598): Ein bedeutender Kunstmäzen und Förderer der Renaissance in Augsburg.
    Mit der Veränderung der Handelswege, dem Dreißigjährigen Krieg und der zunehmenden Konkurrenz durch andere Kaufmannsfamilien begann im 17. Jahrhundert der Niedergang der Familie Fugger.
    Doch auch heute noch ist die Familie Fugger eng mit der Stadt Augsburg verbunden. Und wer in Augsburg ist, kommt an den prächtigen Fuggerhäusern nicht vorbei: Gelegen in der Maximilianstraße, sind sie ein einzigartiges Baudenkmal der Renaissance und verdeutlichen den Reichtum und die Macht der Familie Fugger.

Sie wurden 1512-1515 erbaut und dienten als Residenz und Handelshaus der Familie. Grundlage waren die selbstgezeichneten Pläne von Jakob Fugger, der sich durch seine Italien-Reise inspiriert fühlte. Kein Wunder, dass die Fuggerhäuser als erstes Bauwerk nördlich der Alpen gelten, das im Stil der italienischen Renaissance errichtet wurde.
Im Inneren der Fuggerhäuser befinden sich drei prächtige Innenhöfe, die zu den schönsten der Renaissance in Deutschland zählen. Die Fuggerhäuser sind ein wichtiges Baudenkmal der deutschen Renaissance und ein bedeutendes Zeugnis der Stadtgeschichte Augsburgs.

Die Welser: Eine Patrizierfamilie mit Handelsgeschick und Einfluss
Neben den Fuggern war auch die Patrizierfamilie Welser prägend für die Stadt. Sie ist seit dem 13. Jahrhundert in Augsburg nachweisbar und galt im Mittelalter und der Frühen Neuzeit als eine der bedeutendsten und einflussreichsten Familie. Ihr Reichtum begründete sich im 14. Jahrhundert auf den Handel mit Baumwolle und Barchent, ein Stoff aus Baumwolle und Leinen.
Herzstück war im 15. Jahrhundert das weit verzweigte Handelsnetz, das sich bis nach Asien und Afrika erstreckte. Sie handelten vor allem mit Gewürzen, Textilien und Metallen und gründeten Faktoreien in zahlreichen Städten, darunter Venedig, Lyon, Antwerpen, Lissabon, Barcelona und Budapest. Im 16. Jahrhundert befanden sie sich auf ihrem Höhepunkt an Macht und Einfluss, beteiligten sich an großen Handels- und Finanzoperationen und finanzierten Expeditionen. Die Familie aus der Oberschicht genoss hohe Privilegien und politische Macht.
Zusammen mit den Fuggern finanzierten die Welser die Kaiserwahl Karl V. – und bekamen dafür die spanische Kolonie Venezuela überlassen. 1614 ging das Handelshaus (nach mehreren spanischen Staatsbankrotten) in Konkurs. Im Gegensatz zu den Fuggern ist die Familie der Welser im Stadtbild nicht mehr präsent.

Blütezeit als Zentrum der Renaissance
Im 15. und 16. Jahrhundert entwickelte sich Augsburg zu einem der bedeutendsten Zentren der Renaissance im Heiligen Römischen Reich. Als freie Reichsstadt genoss die Stadt weitgehend Autonomie und spielte eine wichtige Rolle in der Politik, nicht zuletzt als Schauplatz vieler Reichstage. Augsburg galt als vergleichsweise tolerante Stadt, in der verschiedene Glaubensrichtungen nebeneinander existierten.
Kunst, Kultur und Bildung wurden durch die reichen Kaufmannsfamilien gefördert. Dadurch zog es Künstler, Gelehrte und Humanisten aus ganz Europa nach Augsburg, die maßgeblich die Renaissance als Epoche des Umbruchs beeinflussten. Weltliche Themen und Lebensbereiche gewannen an Bedeutung – das Leben im Hier und Jetzt. Augsburg war Heimat bedeutender Künstler und Architekten. In Kunst, Architektur und Literatur entstanden neue Formen und Stile. Der Mensch als Individuum rückte in den Mittelpunkt. Die Stadt wurde zu einem Zentrum des Buchdrucks und des Verlagswesens.

Schauplatz der Reformationsgeschichte
Augsburg spielte eine wichtige Rolle in der Reformation. Martin Luthers Aufenthalt in Augsburg im Jahr 1518 war ein Schlüsselereignis in der Geschichte der Reformation. Hier traf er sich mit einem päpstlichen Legaten, um seine 95 Thesen zu verteidigen. Die Verhandlungen scheiterten, im Jahr 1521 wurde Luther exkommuniziert und die Reformation nahm ihrem Lauf. Die „Confessio Augustana“, ein wichtiges Bekenntnis der lutherischen Lehre, wurde auf dem Reichstag 1530 in Augsburg vorgelegt. Sie sollte dem Kaiser und der katholischen Seite die Position der Lutheraner darlegen.
Augsburg als Friedensstadt
Endlich, im Jahr 1555, legten die Katholiken und Protestanten ihre Streitigkeiten offiziell mit dem Augsburger Regionsfrieden nieder. Der Religionsfrieden erlaubte den Ständen, in ihren Territorien frei über ihre Konfession zu entscheiden und legte den Grundstein für ein friedliches Zusammenleben. Mit dem Hohen Friedensfest, das jährlich am 08. August gefeiert wird, wird an den Westfälischen Frieden, der den Dreißigjährigen Krieg beendete, erinnert.

Zwischen Glanz und Abstieg
Im 17. Jahrhundert verlor Augsburg allmählich an Bedeutung. In ganz Deutschland führte der Dreißigjährige Krieg (1618 -1648) zu einem starken Rückgang von Handel und Wirtschaft. Augsburg wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Städte wie Wien, München und Berlin entwickelten sich zu neuen Machtzentren und zogen Handel und Gewerbe an. Konfessionelle Spannungen aufgrund des gemeinsamen Lebens der Protestanten und Katholiken in Augsburg blieben nicht aus.
Ende des 17. Jahrhunderts begann sich Augsburg langsam von den Folgen des Dreißigjährigen Krieges zu erholen. Die Wirtschaft kam wieder in Schwung und die Stadt erlebte einen neuen Aufschwung. Im Jahr 1806 fiel Augsburg im Zuge des Preßburger Friedens an das Königreich Bayern und musste mit dem Verlust zahlreicher Privilegien zurechtkommen.

Wandel und Aufbruch
Der rasante Aufstieg der Textilindustrie und des Maschinenbaus im 19. Jahrhundert führte Augsburg zu großer Blüte. Mit der Industrialisierung wuchs auch die Bevölkerung Augsburgs stark an. 1897 entwickelt Rudolf Diesel bei MAN seinen Motor. Die Messerschmittwerke starteten von hier aus das schnellste Propellerflugzeug und den ersten Düsenjäger der Welt.
Trotz immenser Bombenschäden im 2. Weltkrieg erreichte Augsburg durch Restaurierung, Wiederaufbau und neu Geschaffenem wieder große Anziehungskraft und wirtschaftliche Bedeutung. Heute nimmt Augsburg als Universitätsstadt und Sitz der Regierung von Schwaben einen hohen kulturellen, wissenschaftlichen und politischen Stellenwert in Bayern ein. Mit der Aufnahme des Augsburger Wassermanagement- Systems als UNESCOWelterbe im Jahr 2019 wird dem Mega-Thema Wasser in Augsburg eine besondere Bedeutung zuteil.

Tourist-Information Augsburg
D-86150 Augsburg, Rathausplatz 1
+49 (0)821 50 20 70 tourismus@regio-augsburg.de
www.augsburg-tourismus.de


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