Das dunkle Geheimnis des Benninger Rieds
Im Benninger Ried lag der Abend schwer auf dem Wasser. Zwischen Schilf und schwarzem Moor stand die Mühle, dort, wo später die Riedkapelle „Zum Hochwürdigen Gut“ errichtet wurde. Zwei Müller, so erzählen es die alten Chroniken, lebten dort in Streit. Einer war vom Neid zerfressen. Am Gründonnerstag nahm er die Hostie nicht ehrfürchtig an, sondern verbarg sie und brachte sie in die Mühle seines Nebenbuhlers. Dort legte er sie unter den Mühlstein.
Als der Stein zu mahlen begann, soll eine Stimme aus dem Dunkel gerufen haben: „Hier werde ich, das höchste Gut, zermahlt.“ Man holte den Pfarrer. Die Hostie, so die Überlieferung, habe Blut gezeigt. Am 12. März 1216 wurde sie von Benningen nach St. Martin in Memmingen getragen. Später verehrte man sie dort als „Hailtum“, führte sie in Prozessionen um die Stadt, bis die Reformationszeit diese Verehrung beendete.
Und draußen im Ried blieb der Ort zurück: nass, still, grundlos. Die Sage flüstert, die schuldige Mühle sei versunken. Historisch beweisbar ist das Versinken nicht. Aber Kapelle, Kult, Übertragung und jahrhundertelange Verehrung sind belegt — und genau das macht die Geschichte so unheimlich.
Quellen:
Stadtarchiv Memmingen; Stadtarchiv-Seite „Hailtum im Mittelalter“; Benninger Ried/Riedkapelle


