Mindelheimer Sage
Im 17. Jahrhundert, so berichten alte Überlieferungen aus sagen.at, lebte in Mindelheim ein Metzger, über den man nur flüsternd sprach. Tagsüber ein gewöhnlicher Handwerker, doch nachts, so hieß es, wirkte er dunkle Künste. Man erzählte, er habe einen Pakt geschlossen – nicht mit einem Menschen. Immer wieder sei er der Obrigkeit entwischt, obwohl man ihn umstellt hatte. Türen standen offen, doch der Mann war fort. „Er macht sich unsichtbar“, raunten die Leute und bekreuzigten sich. Eines Winters wurde er schwer krank. Neugierige und fromme Bürger versammelten sich vor seinem Haus, entschlossen, dem Spuk ein Ende zu setzen. Ein Priester trat an sein Bett, murmelte Gebete – doch der Metzger lächelte nur schwach. Dann geschah es. Ein kalter Wind fuhr durch die Stube, obwohl kein Fenster offenstand. Die Kerzen flackerten, ein Schatten zuckte über die Wände – und im nächsten Augenblick war das Bett leer. Keine Spur. Kein Körper. Nur das zerwühlte Laken. Bis heute erzählt man sich in Mindelheim diese Geschichte. Und wer nachts allein durch die Gassen geht, glaubt manchmal, Schritte zu hören, wo niemand ist.


