Geboren aus Feuer und Wehr (1471)
Der Wohlstand der Reichsstadt Memmingen gründete sich über Jahrhunderte auf Handel, Unternehmergeist und politische Selbstständigkeit. Die Welt hat ihre Stimme neu gelernt: Nicht mehr das Schwert entscheidet allein. Feuer spricht nun, vom Rohr entfernt, und Mauern sterben, sind sie nicht aus Stein. Drum zieht man Kreise in den staubigen Grund, kein Eck soll brechen, kein Winkel fallen. Der runde Leib trotzt Schlag und Wund, wo Kugeln sonst die Wand zerspalten. Ziegel auf Ziegel, schwer wie Eid, getragen von der Stadtgemeinschaft. Wer heute baut, baut für die Zeit, nicht für Ruhm — für Widerstandkraft.
Hier ruht das Erz, hier schläft das Feuer, gezähmt für Memmingens Rand. Der Turm wird Auge, Schild und Steuer gegen das Unbekannte im Land. Noch kennt ihn niemand bei falschem Namen, kein Spott haftet an seinem Stein. Er steht für Schutz, nicht für Erbarmen, für Bürgersinn und Pflicht allein. Und wenn Jahrhunderte darüber ziehn und Armut an seine Tür klopft leise, bleibt tief im Grund, was 1471 geschah: Er ward geboren aus Wehr und Weise. Denn Städte leben, wenn sie sich stellen, nicht dem Glanz, sondern der Not. So ragt er auf aus Mörtel und Wellen als stilles Gelübde gegen den Tod.


