In Egg an der Günz begann keine Sage, sondern ein nachweisbares Stück Weltgeschichte. Der Ort gehörte früh zum Besitz des Reichsklosters Ottobeuren; 1380 kam Egg in fremde Hand und kehrte später wieder zum Kloster zurück. Dort, in diesem Dorf bei Memmingen, wurde am 13. November 1486 Johannes Maier geboren. Sein Vater Michael Maier war Bauer und Amtmann. Aus dem Kind wurde kein stiller Dorfgelehrter: Unter dem Namen Johannes Eck, abgeleitet von seinem Herkunftsort, stieg er zu einem der bekanntesten Theologen seiner Zeit auf. Er studierte in Heidelberg und Tübingen, wurde 1510 Doktor der Theologie und Professor in Ingolstadt. Dann kam das Jahr 1519. In Leipzig stand Eck nicht irgendwo am Rand, sondern mitten im Streit, der Europa veränderte: Er disputierte mit Martin Luther. Eck galt als gelehrt, schlagfertig und als einer der entschiedensten Gegner der Reformation. So führte eine Spur aus einem Unterallgäuer Klosterdorf in das Zentrum der großen Glaubensauseinandersetzung des 16. Jahrhunderts. Wer heute durch Egg geht, sieht einen kleinen Ort an der Günz. Historisch aber bleibt er der Geburtsort eines Mannes, dessen Name in den Akten der Reformation weiterlebt. Das macht Egg nicht größer, aber erstaunlich sichtbar: ein Dorf, ein Sohn, ein Streitgespräch, und plötzlich berührt lokale Geschichte Europa selbst.
Quellen
Die Gemeinde Egg belegt die frühe Bindung an das Reichskloster Ottobeuren, den Verkauf 1380, den Rückerwerb und Johannes Ecks Geburt in Egg.
Die Deutsche Biographie belegt Name, Geburtsdatum, Geburtsort, Vater Michael Maier, Studium, Promotion 1510, Ingolstadt und die Leipziger Disputation.
bavarikon belegt Ecks Rolle als bekannter Gegner Martin Luthers und die Zuspitzung bis zur Leipziger Disputation 1519.


