Der Hochvogel bei Hinterstein – Bad Hindelang ließ ihn nicht mehr los

Manche Berge sieht man – und vergisst sie wieder. Andere brennen sich ein. Für Hermann von Barth war der Hochvogel so ein Berg. Wochenlang hatte der junge Alpinist auf den richtigen Moment gewartet, bis Wetter und Wille endlich zusammenpassten. Später schrieb er in seinem Bergklassiker Aus den Nördlichen Kalkalpen: „Lange Wochen war der Hochvogel das Ziel meines Sinnens und Trachtens gewesen; lange hielt mich schlechte Witterung von ihm zurück.“
Im Sommer 1869 brach Barth zu jener Tour auf, die bis heute nachklingt. Der Hochvogel war damals kein Ausflugsziel, sondern ein ernstes Abenteuer: kaum Komfort, keine moderne Ausrüstung, nur Ausdauer, Orientierungssinn und der Blick für den Berg.
Als Barth den Gipfel erreichte, war der Tag fast vorbei. Er blieb oben – eine Nacht am Hochvogel, zwischen Himmel, Stein und Stille. Wer heute ins Allgäu reist und den mächtigen Gipfel sieht, versteht vielleicht ein wenig, was ihn damals antrieb: nicht Eroberung, sondern Sehnsucht. Der Hochvogel ruft nicht laut. Er steht da. Und lässt manche Menschen einfach nicht mehr los.

Quellen:
Hermann von Barth, Aus den Nördlichen Kalkalpen, 1874; Allgäuer Zeitung, Michael Munkler, 10.12.2024; Digitalisat Bayerische Staatsbibliothek