Als Oberstdorf brannte

Der tote Freund kam zurück

eine wahre Geschichte aus dem Allgäu

Wer heute durch Oberstdorf geht, sieht Berge, Gasthäuser und stille Wege. Doch hinter der Postkartenidylle liegt eine der unheimlichsten Geschichten des Allgäus. Im Jahr 1578 saß der Hirte Chonrad Stöcklin mit seinem Freund Jacob Walch beim Zechen. Die beiden schlossen einen Pakt über den Tod hinaus: Wer zuerst sterbe, solle dem anderen erscheinen und berichten, wie es „drüben“ aussehe.
Acht Tage später war Walch tot. Weitere acht Tage danach, so sagte Stöcklin später aus, sei ihm der Verstorbene beim Feuerholzmachen erschienen. Von da an erzählte der Hirte von einem Engel, vom Fegefeuer, vom Paradies und von nächtlichen Fahrten mit einer geheimnisvollen Schar: der Nachtschar.
Was wie eine Sage klingt, endete vor Gericht. Am 29. Juli 1586 wurde Stöcklin erstmals befragt. Unter schweren Verhören wurden aus seinen Visionen angebliche Hexenfahrten. Am 23. Januar 1587 musste er den Scheiterhaufen besteigen. Oberstdorf brannte dabei nicht als Dorf — es brannte im Wahn der Verfolgung.
Denn mit Stöcklins Tod endete das Grauen nicht. In den Verhören musste er Namen nennen; weitere Menschen wurden beschuldigt, gefoltert und hingerichtet. Sicher sind 15 Opfer, vieles spricht für 21, Wolfgang Behringer hält etwa 25 Tote für wahrscheinlich. Das Schaurigste an dieser Geschichte sind nicht die Geister. Historisch belegt ist, was Menschen aus Angst, Aberglauben und Macht daraus machten.

Quellen
Oberstdorf-Lexikon: Die Hexenprozesse 1586/1587; Wolfgang Behringer: Chonrad Stoeckhlin und die Nachtschar, München 1994.